Liebe Leserinnen und Leser,
aktuell ist sitzungsfreie Zeit, so dass wir Abgeordneten des Bayerischen Landtags Zeit haben, dass wir uns um Termine und Anliegen in den Stimmkreisen kümmern können, Themen der vergangenen Sitzungen aufarbeiten oder sich auf Anstehendes vorzubereiten.
Ich möchte die Tage nutzen, um Euch über ein aktuelles Thema aus meiner Arbeit als Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung zu informieren – das Quartiersmanagement.
Warum genau dieses Thema? In den nächsten 15 Jahren gehen etwa 13 Millionen Menschen der Babyboomer-Generation in Rente. Das wird die Pflege stark belasten, denn es kommen weniger Pflegekräfte nach, als aus dem Beruf ausscheiden werden. Wir kommen an den sogenannten Kipppunkt der Pflege.
Das Quartiersmanagement sehe ich als Chance für die Kommunen. Es hilft Ihnen dabei, gute Lebensbedingungen für alle Generationen zu schaffen – mit dem Ziel, dass Menschen möglichst lange selbstständig, und in ihrer gewohnten Umgebung, leben können. Das Motto lautet: „ambulant vor stationär“, um den Kipppunkt gemeinsam so lange als möglich hinauszuzögern.
Ein Quartier ist mehr als nur die eigene Wohnung – es umfasst das gesamte Wohnumfeld, in dem Menschen ihren Alltag gestalten, einkaufen, Kontakte pflegen und sich versorgen. Das kann ein Stadtviertel, ein Wohnblock oder auch eine ganze Gemeinde sein. Quartiersmanagement bedeutet, dieses Umfeld aktiv zu gestalten: Probleme erkennen, Lösungen entwickeln und Angebote koordinieren. Ziel ist es, durch gute Planung und Zusammenarbeit eine lebenswerte Umgebung für alle zu schaffen – besonders für ältere Menschen. Dadurch entstehen im Idealfall, besonders durch das Schaffen von Netzwerken, eine inklusionsfreundliche Lebenswelt und ein Ort der gegenseitigen Hilfe.
Das Quartiersmanagement wird von einer Quartiersmanagerin oder eines -managers koordiniert. Diese Stelle wird in Bayern durch das Förderprogramm SeLA mit 20.000 Euro pro Jahr über vier Jahre - also 80.000 Euro pro Quartier - unterstützt. Finanziert vom Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.
Je nach Größe der Kommune werden einzelne Bereiche oder die ganze Gemeinde miteinander vernetzt.
Das Quartiersmanagement lebt vom Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure, insbesondere der aktiven Beteiligung der Kommune und der Bürgerinnen und Bürger. Grundlage für ein seniorengerechtes Quartierskonzept sind alle notwendigen Bausteine, die ältere Menschen benötigen, um in ihrem bisherigen Wohnquartier leben zu können.
Das hat viele Vorteile:
• Ältere Menschen bleiben selbstständig und aktiv.
• Pflegeeinrichtungen und Angehörige werden entlastet.
• Die soziale Teilhabe wird gestärkt – viele engagieren sich weiterhin ehrenamtlich.
• Gesundheit und Wohlbefinden verbessern sich, was Kosten im Pflege- und Gesundheitssystem senkt.
• Die lokale Wirtschaft profitiert, weil regionale Angebote genutzt werden.
• Es entstehen neue Formen des Miteinanders – über Generationen hinweg.
Ein selbstbestimmtes Leben im Alter ist also nicht nur für die Seniorinnen und Senioren wichtig, sondern bringt auch der gesamten Gesellschaft Vorteile.
Euer Thomas Zöller, MdL
Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung