Liebe Leserinnen und Leser,
als Landtagsabgeordneter ist es mir neben der Arbeit im bayerischen Landtag ein großes Anliegen für die Menschen in meiner Heimat ein offenes Ohr zu haben. Deshalb nahm ich bei einem ganz besonderen Austausch zum Thema „Barrierefreiheit und Teilhabe“ in meinem Betreuungsstimmkreis Aschaffenburg teil.
Im Mittelpunkt stand Günter Fries, der mit der Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta) lebt. Wie bei einigen tausend betroffenen Menschen in Deutschland, produziert sein Körper kein knochenerhärtendes Kollagen, wodurch seine Knochen besonders leicht brechen und das sogar ohne erkennbare Ursache. Günter ist daher für die Bewältigung seines Alltagslebens ausschließlich auf einen speziellen Elektrorollstuhl im Sonderbau und Assistenz angewiesen.
Als Initiator des Zusammentreffens lud er noch Holger Kiesel, Behindertenbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, Bürgermeister Eric Leiderer und Pierre Zöller - freigestellter Schwerbehindertenvertreter in seine Wohnung ein. Bei Kaffee und belegten Brötchen schilderte er uns sehr eindrücklich und emotional seinen Alltag und die zahlreichen Herausforderungen, mit denen er sich seit Jahren konfrontiert sieht.
Ob es um alltägliche Aufgaben, den überbordenden bürokratischen Aufwand oder den sprichwörtlichen Kampf gegen Windmühlen geht: Immer wieder muss er um die Unterstützung kämpfen, die er eigentlich dringend bräuchte – sei es durch Assistenzkräfte oder einen verlässlichen Pflegedienst.
Im Anschluss führte uns Günter Fries durch Aschaffenburg zur Volkshochschule – seinem ehemaligen Arbeitsplatz - mit Zwischenstopp im Cafe „Abdate“ des Stadtjugendring Aschaffenburg. Auch hier ist das Thema Inklusion auf der Tagesordnung, wodurch eine spannende Diskussion entstand.
Unterwegs schloss sich Theresia Herden vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben Behinderter e.V. Erlangen (ZsL e.V.) der Gruppe an. Wie Günter Fries und Holger Kiesel sitzt auch sie im Rollstuhl.
Schon auf dem Weg wurde deutlich: Echte Barrierefreiheit ist noch längst nicht Realität.
Ein Beispiel von vielen ist das für uns hübsch anzusehende Kopfsteinpflaster, welches für Rollstuhlfahrende ein echtes Hindernis darstellt. Dank Komfortstreifen an manchen Wegstrecken konnte vor allem Holger Kiesel, der ohne Motor unterwegs war, wenigsten teilweise leichter durch Aschaffenburg fahren und an diesem Tag hatte er auch Glück, da diese aus Unwissenheit sehr oft zugeparkt sind.
Bei der Abschlussveranstaltung in der VHS, bei der Günter für weitere Interessenten die Onlineteilnahme ermöglichte, wurden die Themen des Tages und die daraus resultierenden Forderungen für echte Inklusion und Barrierefreiheit zusammengetragen.
Günter überreichte mir zum Abschluss ein persönliches Schreiben an die Regierung, und auch Theresia Herden übergab mir die gemeinsame Resolution des ZSL e.V..
Beides nehme ich gerne mit – als Auftrag und Impuls –, um es an der richtigen Stelle im Bayerischen Landtag einzubringen und aktiv voranzutreiben.
Euer Thomas Zöller, MdL